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Kaiser Karl der Große als Stifter des Großmünsters


Bildnyss Keiser Caroli Magni wie er das Modell zu der Stifts Kirche des grossen Münsters in Zürich auf den händen trägt, nach einem uralten Gemählde in der Probstey in Zürich,
aus Johannes Müller: »Merckwürdige Ueberbleisel von Alter Thümmeren an verschiedenen Orten der Eydtgenosschaft nach Originalien gezeichet«, Zürich, 1773–1783.
Quelle: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung
Digitalisat: https://doi.org/10.3931/e-rara-60653

853 erhebt Ludwig der Deutsche in Zürich am linken Limmatufer ein dort schon zuvor bestehendes Klösterchen in den Rang einer königlichen Abtei, indem er es reichlich ausstattet, monastisch diszipliniert und seine älteste Tochter Hildegard zu dessen Äbtissin macht. (Später "Fraumnünster" genannt.) Das königliche Privileg vom 21. Juli ist erhalten. Die rechtsufrige Klerikergemeinschaft kam damit unter Zugzwang.

Im 10. Jahrhundert entsteht eine Kompilation älterer Texte, der sogenannte Rotulus R1, der glaubhaft machen will, Karl der Große habe die Kleriker von SS. Felix und Regula reich begabt. Diese Urkunde wird zwischen 1150 und 1250 in zwei Anläufen zu einem eigentlichen Verwaltungsbefehl des Kaisers umformuliert. Dieser ist dann durch das ganze Spätmittelalter und in der Frühneuzeit als das Gründungsdokument des Grossmünsters betrachtet worden.

Edition von R1: Hannes STEINER, Alte Rotuli neu aufgerollt, Quellenkritische und landesgeschichtliche Untersuchungen zum spätkarolingischen und ottonischen Zürich, Diss., Freiburg im Breisgau und München 1998 (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte. 42).

In den Statutenbüchern der Propstei (d.h. des Chorherren-Stifts, Redaktion 1346) wird Karls des Großen öfters als des Stifters gedacht: beatus Karolus magnus imperator et confessor ac fundator et donator ecclesie nostræ prepositure Thuricenis.

In der Chronik des Heinrich Brennwald (1508–1516 verfasst) ist die Ansicht bereits gang und gäbe: Carolus der Grosse / als er An. 802. zu Zürich eine Weil Hof gehalten.

Martin GABATHULER / Maria WITTMER-BUTSCH: Die Karolinger und das Kanonikerstift am Großmünster in Zürich, in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, Herausgegeben vom Deutschen Historischen Institut Paris, Jan Thorbecke Verlag, Band 45 (2018), S.1–26.

Dieser Aufsatz kommt zum Ergebnis: Karl der Grosse ist der Stifter; dies wird im Rotulus 2 als antiqua constitutio magni KAROLI  formuliert. Zeitraum: anlässlich der Reisen Karls nach Italien 786 oder wahrscheinlicher 800.
Die Stiftung wird dann im Jahre 810 in Zürich von seinem Sohn König Karl bestätigt; dessen Reisebegleiter Bischof Theodor von Orléans weiht die Kirche am 12. September.

In einem zweiten Aufsatz zeigt Maria Wittmer-Butsch, dass Karl der Große auf der Durchreise nach Rom im Jahr 800 dem Bischof Egino von Konstanz eine Vollbibel geschenkt hat, einen Codex mit der Revision des Bibeltexts durch Theodulf von Orléans, der Karl begleitete. Die Schenkung war nicht ganz zweckfrei, sondern eine diplomatische Geste, um mit bischöflicher Erlaubnis das Kloster in Zürich kirchenrechtlich in eine Kanonikergemeinschaft (ein königliches Chorherrenstift; die Kleriker befolgten die Chorherrenregel des Bischofs Chrodegang von Metz) zu überführen. (Der Codex befindet sich heute in der Dombibliothek Konstanz mit der Signatur WLB, HB II 16).

Maria WITTMER-BUTSCH:  Zwei Theodulf-Bibeln aus der Konstanzer Dombibliohtek. Frühmittelalterliche Belege für karolingische Herrscherreisen nach Italien, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 137. Heft (Thorbecke-Verlag 2019), S. 243–263.

Bronzerelief an der limmat-seitigen Türe des Großmünsters in Zürich von Otto Münch [1885–1965], (1939)


Hier versammelt sind einige – historisch nicht ernst zu nehmende – Anekdoten, in denen Kaiser Karl der Große (s)eine Rolle spielt. (Verf. P.M.)

••• Die Seele Karls des Großen auf der Waagschale (PDF-Datei)

••• Die Süße Last der Tochter Emma (PDF-Datei)

••• Hier steht ein Beitrag (PDF-Datei) zum Umgang mit der Gestalt Karls des Großen.